
Ihr Krankenstand steigt, und keine Maßnahme greift
Warum die eigentliche Ursache selten dort liegt, wo Sie gerade suchen
Der Krankenstand in einem Bereich geht hoch. Immer wieder dieselben Namen, oft montags oder freitags. Sie reagieren, wie man reagiert: Dienstpläne prüfen, Gespräche führen, auch kritische, vielleicht über Ergonomie oder Auslastung nachdenken.
Und trotzdem hilft es nichts. Die Fehltage bleiben.
Das kenne ich von einigen Firmen. Der Krankenstand war dort selten auf Krankheiten zurückzuführen. Er war oft nur das erste sichtbare Zeichen für etwas, das lange vorher begann und das niemand beim Namen nannte.
Wenn psychische Belastung zum häufigsten Grund für Fehltage wird
Der DAK-Gesundheitsreport hat für das erste Halbjahr 2026 eine Verschiebung sichtbar gemacht, die es so noch nicht gab: Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten, mit einem Anstieg von rund neun Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Der Gesamtkrankenstand ist dabei sogar leicht gesunken. Genau das macht die Entwicklung so leicht zu übersehen.
Anspannung, die lange ausgehalten wird, wird irgendwann zur Krankheit. Die Zahl bestätigt, was in vielen Firmen längst spürbar ist, nur eben nicht ausgesprochen wird.
Quelle: DAK-Gesundheit, Krankenstandsanalyse des IGES Instituts, erstes Halbjahr 2026 (rund 2,2 Millionen versicherte Beschäftigte).
Ein Praxisbeispiel: krank an etwas, das nie Problem heißen durfte
Ich hatte einen Fall, dort war es eine entscheidende Projektkoordinatorin, die zusehends häufiger ausfiel. Alle vermuteten eine medizinische Ursache. Keiner nannte das, was spürbar war: ein rauerer Ton in den Projekten und mehr Erfolgsdruck durch die Geschäftsleitung.
Sie wurde krank an etwas, das nie als Problem oder Spannung benannt werden durfte.
Den Krankenstand können Sie in Tagen und Gehalt ablesen. Die Ursache und ihre Auswirkungen stehen nirgends.
Drei Fragen, die ich Ihnen stellen würde
- Aus welchem Bereich kommen Ihre Fehltage überdurchschnittlich oft, und seit wann eigentlich?
- Welche Erklärung für den Krankenstand haben Sie parat, und wie sicher sind Sie, dass diese stimmt?
- Wer in diesem Bereich hat aufgehört zu sagen, was ihn stört?
Warum ein weiteres Gesundheitsangebot nicht greift
Der Weg aus dieser Entwicklung beginnt nicht mit dem nächsten Gesundheitsangebot. Er beginnt damit, das Tabuthema besprechbar zu machen. Solange die eigentliche Ursache unbenannt bleibt, behandeln Sie nur das Symptom und wundern sich, dass sich nichts verändert.
Meine Rolle ist den Prozess zu führen und meine eigenen Deutungen zurückzuhalten. Was fehlt, ist selten eine weitere Meinung von außen. Was fehlt, ist ein Rahmen, in dem das Unausgesprochene endlich gesagt werden darf. Die Lösung erarbeiten dann die Beteiligten selbst.
Podcast zu Ihr Krankenstand steigt, und keine Maßnahme greift
Häufige Fragen
Warum steigt der Krankenstand, obwohl wir Maßnahmen ergreifen?
Wenn Dienstpläne, Gespräche und Ergonomie nichts ändern, liegt die Ursache oft nicht im Sichtbaren. Ein hoher Krankenstand ist häufig das erste Zeichen einer länger bestehenden Belastung, die niemand offen benennt. Solange diese unbenannt bleibt, wirkt jede Einzelmaßnahme nur auf das Symptom und das auch nur mit mäßiger Wirkung.
Kann ein hoher Krankenstand auf eine verdeckte Spannung im Team hindeuten?
Ja. Ein rauer Ton, wachsender Druck oder eine ungeklärte Spannung schlagen sich nicht sofort in offenen Auseinandersetzungen nieder, sondern zuerst in steigenden Fehltagen. Psychische Erkrankungen sind laut DAK-Gesundheitsreport 2026 erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten.
Hilft ein Gesundheitsangebot gegen steigenden Krankenstand?
Gesundheitsangebote sind sinnvoll, greifen aber nicht, wenn die eigentliche Ursache eine unausgesprochene Belastung ist. Dann braucht es zuerst einen Rahmen, in dem das Thema besprechbar wird. Erst danach wirkt Prävention.
Was ist ein Klarheitsgespräch?
Ein kostenfreies, unverbindliches Gespräch von rund 30 Minuten, in dem Sie sortieren, wo Sie stehen und was das eigentliche Thema hinter dem sichtbaren Symptom ist.